Review: 1. Koks.Digital-Konferenz in Bochum

Am Freitag, 26. August 2016 fand im Bermuda3Eck in Bochum die erste Konferenz für Digitales Marketing „Koks.Digital“ statt. Normalerweise finden solche Konferenzen eher in Hamburg, Berlin, München oder in Köln, Düsseldorf und Frankfurt statt und das Ruhrgebiet pilgert dort hin. Diese Mal war alles anders, denn diesmal stand das Ruhrgebiet im Mittelpunkt – und das war auch gut so!

Motto der Koks.Digital-Konferenz in Bochum

Motto der Koks.Digital-Konferenz

1. Konferenz zu Digitalem Marketing im Ruhrgebiet

Für mich war es besonders spannend, da ich immer noch oft das Gefühl habe, die digitale Szene im Ruhrgebiet noch nicht zu durchdringen. Es fällt mir manchmal noch schwer, hier die relevanten Veranstaltungen zu finden, um neue Kontakte zu knüpfen. Dafür war Koks.Digital genau richtig. So konnte ich durch die Sprecher einige Firmen entdecken, die ich vorher nicht auf dem Zettel hatte und ein paar neue Kontakte haben sich trotz brütender Hitze und einsetzender Lethargie ergeben.

Zu viel versprochen hat Koks.Digital nicht. Die Themenauswahl war vielfältig – von SEO über Advertising, hin zu IT-Security und Social Media und unter den Sprechern waren einige Hidden Champions. „Führende Persönlichkeiten er Digital-Native-Szene“ war für mich leider eine leere Worthülse, aber vielleicht kenne ich nur die andere Hälfte der Leader. 😉
Leider stand auch nur eine Frau auf der Bühne und diese präsentierte sich dann auch noch eher suboptimal. Sie war die Einzige, die krampfhaft hinter dem Rednerpult stand, den Computer vor sich aufgeklappt und die Folien ablesend. Andere Themen waren schlichtweg nicht meins. Im großen Ganzen aber waren die Themen interessant und die Teilnahme an der Konferenz hat sich gelohnt. Für kleine Pannen beim Catering oder das heiße Wetter konnte das Veranstalterteam um Koks.Digital ja nichts.

Event-Marketing bei Koks.Digital?

Doch wenn es um Digitales Marketing geht, um ein Konferenzformat, welches es mit anderen Konferenzen außerhalb des Ruhrgebiets konkurrieren möchte, dann hat es in diesem Bereich leider noch etwas aufzuholen.

  1. Im Vorfeld wurde nur über die Facebook-Seite und die entsprechende Eventseite kommuniziert. Dabei wurden eigentlich auch nur Beiträge der Facebook-Seite auf der Eventseite geteilt, ohne weiteren Kontext oder ergänzenden Text. So war es mir egal, dass ich die Facebook-Seite nicht geliked hatte und sah auch keinen weiteren Nutzen, dies zu tun. Über die Veranstaltung habe ich ja dennoch weiter alles mitbekommen. Dazu gab es auch Unmengen an Facebook-Ads, die einen darüber informierten, dass es diese Konferenz gibt – was wirklich ein Pluspunkt war, weil es wirklich viele Menschen erreichte.
  2. Es wurde kein Hashtag für die Konferenz kommuniziert. Die Community hat sich aber schnell auf #koksdigital geeinigt und diesen auf Twitter konsequent genutzt. Somit konnte auch die Veranstaltung den Tag über in den Twittertrends gehalten werden.
  3. Auf Twitter wurde die Konferenz überhaupt nicht begleitet, obwohl es einen Account für die Veranstaltung gibt. Auf diesem Account wurde bisher nicht ein einziger Tweet veröffentlicht, keinen anderen Accounts wird gefolgt. Immerhin haben sich schon 18 Follower versammelt und warten auf ein Lebenszeichen. Leider wurde generell nur von einem kleinen Teil der Anwesenden via Twitter kommuniziert, welches ich von anderen Konferenzen anders kenne und schätze. Vielleicht war es auch einfach nur zu warm, um zu twittern. Von Instagram reden wir lieber gar nicht erst (kein Account, 7 öffentliche Fotos unter #koksdigital).

    Twitter-Account von Koks.Digital

    Twitter-Account von Koks.Digital

    Grundsätzlich war Twitter aber wohl von vielen ein stiefmütterliches Thema:

  4. Auch gingen die Erwartungen leider oft weit auseinander. Durch die Verquickung von Digital mit der Geschichte des Ruhrgebiets hatte ich auf mehr Beispiele direkt aus dem Ruhrgebiet gehofft. Wo waren die innovativen Themen? Viel zu selten kamen Best Cases aus dem Ruhrgebiet zur Sprache. Auch Sprecher von außerhalb des Ruhrgebiets konnten dies nicht ändern.
    Zitat von Teilnehmerin Anett Gläsel-Maslov: „Ich hatte gehofft, dass es tatsächlich darum geht, Kräfte im Pott zu bündeln, interessante Kampagnen vorzustellen, zu schauen, welche coolen Initiativen gibt es hier. Aber vielleicht habe ich auch einfach die Idee dahinter falsch verstanden.“
    Da hätte ich mir eine bessere Kommunikation der Vorträge und ihrer Inhalte gewünscht. Bis heute ist kein richtiges Programm mit Vortragstiteln auf der Website zu finden. Vor Ort gab es zwar ein Programmheft, in dem dann auch Sprecher und ihre Themen vorgestellt wurden, aber online konnte das Programm nicht gecheckt werden.
  5. Es gab kein WLAN, aber die meisten Anwesenden waren allem Anschein nach mit guten Mobilfunkverträgen ausgestattet und brauchten kein stationäres WLAN vor Ort. Dennoch sollte man als Veranstalter davon nicht ausgehen und hätte beim Thema Digitales Marketing so etwas durchaus als Notwendigkeit ansehen können.

Meine Verbesserungswünsche für die nächste Koks.Digital

Einige andere Punkte waren vielleicht eher mein persönliches Problem (und teilweise nicht zu ernst zu nehmen):

  1. Zwischen 9 und 12:40 Uhr gab es nicht eine Pause – und dann kam durch den Unfall des Caterers noch die verspätete Mittagspause hinzu (woran die Veranstalter keine Schuld tragen). Bei all dem Input wäre eine kurze Erfrischungs- und Kaffeepause hilfreich gewesen. Dafür war der Poetry Slammer eine gelungene Ablenkung.
  2. An einem Freitag ist es gewagt, eine Veranstaltung bis 19 Uhr+ laufen zu lassen. So war es auch ab ca. 15/16 Uhr relativ leer – was nicht nur an der Hitze im Riff (Veranstaltungsort) lag. Hier wurde die Koks.Digital zum Hochofen und das Wochenende lockte.
  3. Die Gläser für Getränke waren zu klein. Ich fühlte mich wie in Köln… 😉
  4. Manche Menschen scheinen beim Vortragen einen Stock im Arsch zu haben (entschuldigen Sie diese Ausdrucksweise, aber es beschreibt exakt die Art von Rednern) oder einen Sack voll Buzzwords über das Publikum ausschütten zu wollen. Vielleicht waren diese Vorträge einfach auch nichts für mich. Nicht alles an einem Konferenztag muss ja 100% zu einem passen, soll ja für jeden etwas dabei sein.

  5. Was mir persönlich extrem negativ auffiel: zum Tode von Hannes Korten, der ursprünglich als Sprecher angekündigt war, verlor leider nur ein Sprecher ein paar Worte und bat um eine Schweigeminute. Da hätte ich mir online und offline mehr Anstand von den Veranstaltern gewünscht. Durch Hannes bin ich erst auf die Veranstaltung (via Xing) aufmerksam gemacht worden. Er hätte ein paar pietätvolle Worte am Anfang der Konferenz und von den Veranstaltern verdient gehabt.

Fazit

Doch alles in allem war es ein gelungener Auftakt. An manchen Stellen war mein Anspruch vielleicht auch zu hoch, an anderen war ich nicht tief genug im Thema. Dennoch war für jeden etwas dabei und man konnte, wenn man wollte, auch etwas für sich mitnehmen. Mein Highlight war übrigens Markus Klöschen, der es schaffte, eine Geschichte von Kokereien, Stahlherstellung und SEO zu erzählen. Ich bin daher gespannt auf eine zweite Ausgabe von Koks.Digital – gerne auch wieder im Riff, dass als Location wirklich mal positiv anders war.

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