Medienkompetenz: Smart Camps mit 13-Jährigen in Bonn

Am 31. August war ich einen Tag lang Dozent in einer sehr ungewöhnlichen Position. An einer Gesamtschule in Bonn unterrichtete ich 13- und 14-Jährige einen Tag lang zum Thema Bloggen. Im Rahmen der sog. Smart Camps, eine viertägige Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Konrad-Adenauer-Stiftung, waren insgesamt sieben Dozenten an dem Tag im Einsatz, um Achtklässler Instagram, YouTube, Podcast & Co. näher zu bringen – eine Herausforderung, bei der ich viel über Schule und die Jugend von heute gelernt habe.

Relativ kurzfristig bin ich angefragt wurden, diesen Tag als Blogger mitzugestalten. Doch wo fängt man an? Die meisten Kids an diesem Tag waren in erster Linie nicht wirklich am Bloggen interessiert. Oft war Bloggen die zweite Wahl – nach YouTube. Gegen YouTuber Julez, der im Nachbarzimmer unterrichtete, hatte ich da kaum eine Chance. In jeder Pause war er umringt von kichernden Mädchen, die unbedingt Selfies und Snaps mit ihm aufnehmen wollten. So kam es also zum Showdown zwischen dem geschriebenen Wort und bewegten Bildern – ich konnte nur verlieren. 😉

YouTuber Julez umringt von Schülerinnen

YouTuber Julez umringt von Schülerinnen

Der Unterricht mit 13-Jährigen in Bonn

Grundsätzlich sind Kids in dem Alter echt schwierig. Mädchen und Jungen können sich noch nicht wirklich leiden, die Motivation bzw. auch der Wille zur Zusammenarbeit ist nicht immer vorhanden. Die Aufteilung im Computerraum sprach ihre Sprache – rechts die Mädchen, links die Jungen. Sobald sie die Erlaubnis hatten, die Rechner anzumachen, war es vorbei mit der Aufmerksamkeit.

Mir war klar, dass Schüler wenig lesen. Keiner schien aber auch nur einen bekannten Blogger zu kennen. Weder im Lifestyle-/Beauty-Bereich noch in sonst einem für Jugendliche interessanten Bereich wie Autos oder Sport war irgendein Blogger geläufig. Auch ist es schwierig, gewisse Pflichten wie die eines Impressums näher zu bringen, wenn die bloggenden Schüler zum Großteil noch unter 14 Jahren sind. Was soll da im Impressum angegeben werden als Verantwortliche? Auch zum Schutz der Kinder wüsste ich nicht, was da eine praktikable Lösung wäre.

Weiterhin erklärte ich den Sinn von Bloggen, zeigte einige Beispiele wie Anna Frost und suchte nach Nischen für ein eigenes Blogprojekt. Manche Schüler arbeiteten dabei allein, manche taten sich zu zweit oder zu dritt zusammen, um ein erstes kleines Blog aufzusetzen (wir hatten auch nicht für jeden Schüler einen Rechner vor Ort). Dabei stellte ich die kostenlosen (fremd gehosteten) Varianten von WordPress und Blogger vor. Herausgekommen sind ein paar Blogs und erste Blogposts zu Beauty, Islandpferden und Fußball. Nicht alle haben den Tag auch überlebt, doch manche waren durchaus am Ende motiviert, ihr kleines Projekt weiter zu führen.

Der ungelernte Umgang mit einem Computer

Erstaunlich dabei war, dass die Kinder zwar ihr Smartphone ohne weiteres bedienen können, aber mit einem simplen Browser und der Browserzeile auf einem Desktopcomputer hatten fast alle Schwierigkeiten. Als ich bei Mädchen die Glossybox als mögliches Mittel erwähnte, Material für ein Beautyblog zu erhalten, wurde tatsächlich „Was ist in einer Glossybox drin“ gegoogelt.

Auch mit „wordpress.com“ oder „blogger.com“ konnten die Schüler nicht direkt etwas anfangen. Statt es in der Browserzeile einzugeben, wurde es auf der Startseite in die Google-Suche eingegeben und mich dann noch im Anschluss gefragt, ob blogger.de (eine völlig andere Seite) das Richtige sei. Da rutschten mir kurz die Gesichtszüge aus. Ein Junge erzählte sogar, dass er nicht auf Seiten surfen darf, die nicht https (Websites mit SSL-Verschlüsselung) am Anfang der URL stehen haben. Seine Mutter sagte, die seien nicht sicher. Soviel zur Medienkompetenz der nachwachsenden Generationen.

Fazit

Deswegen möchte ich mich auch in Zukunft weiterhin engagieren und das Netz erklären. Erklären, warum Bilder aus dem Netz nicht einfach verwendet werden dürfen oder warum auch Twitter in Deutschland seine Daseinsberechtigung hat. Dabei ist es auch sinnvoll zu erklären, wie wichtig Respekt im Netz ist und wie das auf allen Kanälen von YouTube, Instagram, Snapchat und auch Blog umgesetzt werden kann. Dafür gibt es die Smart Camps und jede Schule kann sich bewerben.

 

 

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